Wietze

 

21. Mai 2005: Studienfahrt des Fördervereins ins Deutsche Erdölmuseum Wietze am 21.05.2005
Zusammenstellung: Dr. Gisela Binde.

Kurzer Überblick über die Geschichte der Erdölförderung in Wietze

  • Abschöpfung von Erdöl aus zutage tretenden Teerkuhlen bereits im Mittelalter. Es wurde als Teer, Wagenschmiere und Arznei (innerlich) bei Mensch und Tier verwendet.
  • 1858 Beginn der ersten Erdölbohrung in Deutschland. Sie wurde von einem Salineninspektor geleitet, war 35,60 m tief und brachte Erdöl. Die Jahreausbeute an Öl betrug 540 Eimer. Diese Bohrung erbrachte mindestens bis 1883 Öl.
  • In der Umgegend wurden weitere „Ölfelder“ gefunden (Hänigsen, Edemissen, Oberg,) und es brach ein Ölrausch aus, der schon 1883 endete.
  • Zwischen 1898 und 1925 im Wietzer Feld höchste Ölförderung Deutschlands.
  • Förderung mit Pferdefuhrwerken und Schiffen auf der Aller, ab 1903 mit der „Ölbahn“ von Celle nach Schwarmstedt.
  • Um 1915 bereits 2000 Bohrungen niedergebracht.
  • Zwischen 1920 und 1963 wird zusätzlich zu den Bohrungen ein Erdölschacht betrieben.
  • Nach Erschöpfung der Lagerstätte Aufbau des Deutschen Erdölmuseums unter Einbeziehung von Originalbohrstellen und Anlagen.

Was ist Erdöl und wie kommt es zur Bildung von Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten?
Erdöl ist ein natürliches Öl, das unter Mithilfe von Druck und Temperatur aus den organischen Bestandteilen von Sedimentgesteinen entsteht. Es wird aus abgestorbenen Pflanzen und Tieren gebildet, die in manchen Sedimentgesteinen eingeschlossen sind. Diese wurden in sogenannte Kohlenwasserstoffe umgewandelt. Es gibt flüssige und gasförmige Kohlenwasserstoffe – die flüssigen bilden Erdöl, die gasförmigen Erdgas. Erdöl und Erdgas kommen deshalb oft gemeinsam in einer Lagerstätte vor, wobei sich das Öl immer im unteren Bereich, das Gas weiter oben befindet.
Erdöl und Erdgas haben eine wesentlich geringere Dichte als die sie umgebenden Gesteine. Unter Mitwirkung des Druckes in der Erdkruste werden diese Stoffe deshalb im Laufe von Jahrmillionen langsam nach oben gepresst, bis sie an der Erdoberfläche in Form von Teerkuhlen, Asphaltseen oder Gasquellen/Gasfackeln austreten. Wenn auf dem Weg nach oben undurchlässige Schichten den Auf-stieg hemmen, sammeln sich Erdöl und Erdgas in sogenannten Öl- oder Gasfallen, einer unterirdische Öl- oder/und Gaslagerstätte. Voraussetzung für das Ansammeln ist das Vorhandensein einer porösen Speicherschicht, in deren Poren Öl und Gas Platz finden können. Durch undurchlässige Schichten über diesem Speichermedium können Öl und Gas nicht weiter nach oben entweichen. Auch die Lagerstätte in Wietze hat sich so gebildet.
 
Geologie der Lagerstätte Wietze
Die Lagerstätte ist an den Salzstock Wietze-Hambühren gebunden. Das ist eine kuppelförmige Auf-wölbung von Salzgesteinen, die wie Erdöl und Erdgas leichter sind als die sie umgebenden Gesteine und deshalb das Bestreben haben, nach oben zu wandern. Bei Aufwölben des Salzstockes wurden die darüberliegenden Gesteine von den Salzschichten durchstoßen bzw. an den Rändern nach oben geschleppt und aufgebogen. Das Erdöl fängt sich im oberen Bereich der nach oben gebogenen Schichten. Da diese Schichten größtenteils durch undurchlässige Tonschichten bedeckt sind, konnte das Öl nicht vollständig an der Erdoberfläche austreten. Es ist in Sand- und Kalksteinen aus der Trias- und Kreidezeit gespeichert, die vor 200 – 75 Mio. Jahren gebildet wurden.