allgemein

Gesamtverein

 

Auf dem 20. Internationalen Montanhistorik-Workshop erläutert Karlheinz Rabas die Aufgaben und Ziele des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten

 

 

20.05.2017 ganztägige Bus-Exkursion

Grube Christiane in Adorf http://grube-christiane.diemelsee.de/startseite/

und die Stadt Brilon  http://www.brilon.de/portal/

 

Weihnachts-und Jahresgrüße des Vorstands

thadeus-barbara

Diese Figur der Heiligen Barbara wurde im Jahre 2010 aus Lindenholz von dem polnischen Künstler Tadec aus der Hohen Tatra geschnitzt.  

Sie verbindet die lange Tradition der Barbaraverehrung als Schutzheilige der Bergleute mit einer Szene aus dem Bergbau; sie schwebt förmlich schützend über den Bergleuten.

Die Barbara-Figur hat ihren würdigen Platz im Anwesen von Dieter Pröve gefunden, das die Heimat unseres Arbeitskreises Recklinghausen ist. Insofern lebt auch dort die Verbindung zwischen der Barbara-Verehrung und der Bergbautradition fort.

Der Vorstand des
Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.
wünscht allen Mitgliedern und Freunden ein frohes Weihnachtsfest
und ein gutes Jahr 2017!

Glückauf

 

Bewahren des Bergbauerbes im Ruhrrevier

Beitrag von Dr. Detlef Riedel, Mitglied des Vorstands im
Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.
in der Zeitschrift Schulbuchinformationsdienst Ruhrgebiet, Nr. 84, Januar 2016, Hrsg. RVR, Essen

Ende 2015 schließt das Bergwerk Auguste Victoria in Marl und 2018 die letzte Zeche in Deutschland. Damit gehen rund 250 Jahre industrieller Steinkohlenbergbau in Deutschland zu Ende. Das historische Erbe des Bergbaus wird von vielen Akteuren bewahrt, Museen – öffentlichen wie privaten – und Institutionen, aber auch weniger bekannten Vereinen und Einzelpersonen.

Museen und Stiftungen
An erster Stelle ist das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum DBM (www.bergbaumuseum.de) zu nennen. Es ist das größte Bergbaumuseum der Welt und verbindet als Forschungsmuseum weltweite Forschungstätigkeit zur Gewinnung und Nutzung von Georessourcen und lebendige Ausstellungen inklusive einem reichhaltigen Veranstaltungsprogramm. Das Museum ist das Gedächtnis des deutschen Steinkohlenbergbaus. Das Ruhr Museum (www.ruhrmuseum.de) auf dem historischen Standort der Zeche Zollverein in Essen ist das Regionalmuseum des Ruhrgebiets. Es zeigt in seiner Dauerausstellung die gesamte Natur- und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets. Es versteht sich nicht als klassisches Industriemuseum, sondern als Gedächtnis und Schaufenster der Metropole Ruhr. Seit ihrer Gründung haben die beiden Museen technische, naturwissenschaftliche sowie kulturelle Objekte und Dokumente rund um den Bergbau gesammelt und damit vor dem Vergessen bewahrt. Das LWL-Industriemuseum (lwl-industriemuseum.de) betreibt acht Industriemuseen. Darunter sind drei dem Bergbau gewidmet: Zeche Zollern (Dortmund), Zeche Nachtigall (Witten) und Zeche Hannover (Bochum). Als größtes Industriemuseum in Deutschland bewahrt, erforscht und vermittelt das Westfälische Landesmuseum für Industriekultur die Geschichte und die Kultur des Industriezeitalters. Herausragende Baudenkmäler sind die wichtigsten Ausstellungsstücke. Den Menschen, die in den Fabriken gearbeitet und in ihrem Umfeld gelebt haben, gilt ein besonderes Interesse.

Die Stiftung Zollverein (www.zollverein.de) kümmert sich um den Erhalt des UNESCO- Welterbes Zollverein und die Wiedernutzbarmachung der Gebäude sowie des Geländes, z. B. mit Führungsangeboten im Denkmalpfad Zollverein oder kulturellen Veranstaltungen.

Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur (www.industriedenkmal-stiftung.de) wurde 1995 vom Land Nordrhein-Westfalen und der RAG Aktiengesellschaft gegründet und ist bundesweit die erste Stiftung, die sich für den Erhalt von hochrangigen Industriedenkmalen einsetzt. Ihre Aufgaben bestehen darin, die Industrieanlagen vor dem Abriss zu bewahren, zu sichern, wissenschaftlich zu erforschen, öffentlich zugänglich zu machen und sie einer neuen Nutzung zuzuführen. Derzeit betreut die Industriedenkmalstiftung Denkmale an 13 Standorten in NRW. Neben der 1928 erbauten Kokerei Hansa in Dortmund zählen auch Malakofftürme, Fördergerüste, Maschinen- und Schachthallen zum Bestand. Die 2007 gegründete RAG-Stiftung (www.rag-stiftung.de) wird die sog. Ewigkeitsaufgaben des Steinkohlenbergbaus der RAG Aktiengesellschaft nach 2018 übernehmen. Diese umfassen im Wesentlichen Maßnahmen der Grund und Grubenwasserhaltung. Daneben fördert die Stiftung Projekte in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur in den Regionen Ruhr und Saar, soweit diese im Zusammenhang mit dem Bergbau stehen. Es gilt auf der einen Seite, das kulturell reiche Bergbauerbe zu erhalten und auch in Zukunft mit Leben zu füllen. Dabei arbeitet die Stiftung eng mit bergbaunahen Einrichtungen zusammen. Sie fördert beispielsweise die Stiftung Industriedenkmalpflege und damit den Erhalt bedeutsamer Denkmale des Bergbaus an der Ruhr. Am Deutschen Bergbau-Museum werden unterschiedliche Forschungsprojekte unterstützt, die einen Beitrag zur Systematisierung und zum Erhalt des Bergbauerbes leisten. Auf der anderen Seite setzt die Stiftung durch zukunftsorientierte Förderaktivitäten, insbesondere bei Wissenschaft und Bildung, wichtige Impulse für den Wandel in den Bergbauregionen. Den Nachbergbau umfassend zu erforschen, das ist Aufgabe des neuen Forschungszentrums Nachbergbau an der Technischen Fachhochschule Georg Agricola in Bochum. Hier unterstützt die RAG-Stiftung den Aufbau des Zentrums und wird die dortige Forschung auch weiterhin fördern. Im Bereich Bildung engagiert sie sich vor allem für chancenbenachteiligte Jugendliche, für die in der Vergangenheit häufig der Bergbau Begleiter in Ausbildung und Beruf war. Heute will die Stiftung dieser Zielgruppe alternative Bildungsangebote ermöglichen. Dies geschieht u. a. durch zusätzliche Ausbildungsprogramme in Kooperation mit den Ländern Nordrhein-Westfalen und Saarland, durch unterschiedliche Stipendienprogramme von der Schule bis zum Studium oder durch Bildungsaktivitäten, wie sie der Unternehmensverband Initiativkreis Ruhr mit seiner Initiative „Talent-Metropole Ruhr“ seit einiger Zeit im Ruhrgebiet durchführt.

Der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten im Ruhrrevier e. V.

Bei allem Engagement von Unternehmen, Institutionen und der öffentlichen Hand bei der Unterschutzstellung von Bergbaurelikten als Denkmal sollte das Engagement der zahlreichen Menschen im Revier nicht vergessen werden, die sich einzeln oder im Verein dem Bewahren des historischen Bergbauerbes verschrieben haben. Das Ruhrrevier beherbergt neben den Leuchtturmprojekten, wie beispielsweise der Zeche Zollverein, zahllose kleine, häufig nur lokal bekannte Bergbaurelikte, um die sie sich kümmern. Gerade diese Vielzahl, nahezu flächendeckend über das Ruhrgebiet verteilt, ist es, die ihresgleichen weltweit sucht.

So haben sich Interessierte Bürger, ehemalige wie aktive Bergleute, aber auch aktiv im Berufsleben stehende und pensionierte Nichtbergleute in den vergangenen Jahren zusammengefunden und in kleinen Gruppen konkrete Projekte aus der Taufe gehoben: Reste von Zechengebäuden, Stollenmundlöcher ausfindig gemacht, restauriert und mit Erläuterungstafeln versehen, so auch im Muttental in Witten, südlich von Bochum. Hier wurde bereits im 16. Jahrhundert Steinkohle gefördert – zunächst oberirdisch ausgegraben, dann untertage abgebaut. Die Pingen und Stollen sind heute noch zu sehen. 1982 gründete sich hier der Förderverein Bergbauhistorische Stätten Südliches Ruhrgebiet e. V.

Schon bald schlossen sich weitere Gruppen an bzw. gründeten sich in anderen Ruhrgebietsgemeinden neue. 1988 firmierte der Verein um in „Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e. V.“ (www.bergbauhistorie.ruhr). Die einzelnen Gruppen waren nun Arbeitskreise des Fördervereins. Nach Bochum, Dortmund und Unna kamen in den Folgejahren dann AKs in Holzwickede, Sprockhövel, Essen, Wetter/Herdecke, Recklinghausen, Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr, Hamm/ Ahlen und schließlich 2012 in Hattingen hinzu.
Mittlerweile zählt der Förderverein annähernd 500 Mitglieder, die in 13 Arbeitskreisen aktiv sind – und weitere werden gesucht!

Je nach Können, Wissen oder Interessenlage bringen sich die Mitglieder auf vielfältige Art und Weise ein: Neben den handwerklichen Aktivitäten sind auch Archivarbeiten erforderlich. In Publikationen wird die technische Entwicklung eines Bergwerks geschildert oder das Leben der Bergleute. Hierzu sind umfassende Recherchen nötig, werden manchmal schon aufgegebene Archivbestände gerettet und gesichtet. Die Ergebnisse können sich sehen lassen und können auch für die professionellen Historiker mitunter eine gute Ergänzung ihrer Forschungen sein. Es ist selbstverständlich, dass bei der Durchführung der Projekte ein enger Kontakt zu den Eigentümern und den zuständigen Behörden, wie z. B. Denkmalschutzämtern, Bergämtern und kommunalen Behörden gepflegt wird. Die Mitglieder des Fördervereins unterstützen soweit möglich auch die Arbeiten der Museen. Beispielsweise werden Interviews im Rahmen eines Oral History Projekts mit ehemaligen Bergleuten vom Deutschen Bergbau-Museum durchgeführt. Ein weiteres Projekt des DBM, ebenfalls durch die RAG-Stiftung gefördert, betrifft die Auflistung von Sammlungsbeständen außerhalb von Museen. Auch hierbei beteiligt sich der Förderverein.

Die Aktivitäten der Arbeitskreise des Fördervereins

Nur beispielhaft sollen hier die Aktivitäten einzelner Arbeitskreise wiedergegeben werden. Eine Übersicht ist auf der Homepage des Fördervereins zu sehen. Die meisten Arbeitskreise haben an den von ihnen restaurierten Objekten Informationstafeln aufgestellt. Sobald es sich anbot, diese im Rahmen einer Wanderung hintereinander zu besichtigen, wurden ganze Wanderwege ausgeschildert und dokumentiert. Zumeist gibt es dazu auch Faltblätter. Eine jedes Jahr wiederkehrende Aufgabe sind das Freilegen von zugewucherten Objekten und das Erneuern der nicht selten mit Graffiti beschmierten oder beschädigten Tafeln. Die dabei entstehenden Kosten sind nicht unerheblich und werden i.d.R. von lokalen Sponsoren übernommen. Der Arbeitskreis Dortmund ist mit einem von den Mitgliedern betriebenen Besucherbergwerk sicherlich von besonderer Bedeutung. Woche für Woche werden nach wie vor Stollen des alten Bergwerks „Graf Wittekind“ am Syberg – seit 1858 wurde hier Steinkohle gefördert – freigeräumt, gesichert und sukzessive auch Besuchern gezeigt. Manche Arbeitskreise arbeiten eng mit anderen Vereinen, Institutionen und Gruppen zusammen. So ist z. B. der AK Sprockhövel eng mit dem Heimat- und Geschichtsverein Sprockhövel verbunden, die AKs Essen und Gelsenkirchen mit dem Stadtteilarchiv Rotthausen. Zum Vereinsleben gehören natürlich auch gesellige Zusammenkünfte, wie die Barbarafeier im Dezember oder Exkursionen in andere Bergbaureviere, wie sie z. B. der AK Unna durchführt. Die Arbeitskreise besitzen mitunter umfangreiche Sammlungen an Büchern, Karten und Fotos – im Original oder als Reproduktion – sowie Bergbauobjekte, wie Grubenlampen, Arbeitsgeräte und Maschinen, wie beispielsweise der AK Recklinghausen. Der Förderverein und seine Arbeitskreise arbeiten projektbezogen eng mit ehem. Betreibern zusammen, wie im Falle der Erforschung und Erhaltung des Schlebuscher Erbstollens durch den AK Wetter/Herdecke. Die Mühen der Mitglieder lohnen sich für die Gesellschaft, wären doch öffentliche Institutionen überfordert diese kleinteilige und arbeitsintensive Leistung zu erbringen. Dies wird auch anerkannt. So erhielt bereits 1998 der AK Witten in Anerkennung seiner Verdienste zur Bewahrung des kulturellen Erbes eine Urkunde des Landes NRW und das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz hat 2007 dem AK Dortmund in Würdigung seiner Leistungen den Deutschen Preis für Denkmalschutz verliehen.

Etliche Mitglieder der AKs haben im Laufe der Jahre Publikationen vorgestellt, z. B.: Norbert Meier hat über die Zechen Constantin der Große, Zeche Mansfeld (gemeinsam mit Hans Jürgen Lewer) undGraf Schwerin (gemeinsam mit Martin Lochert) geschrieben, Tilo Cramm über die Hombrucher Montangeschichte. Für alle Montaninteressierten ist das Nachschlagewerk von Joachim Huske mit allen(!) bislang bekannten Bergwerken im Ruhrgebiet „Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier“ ein Muss. Es wurde bereits wiederholt aktualisiert. Der vor kurzem fertiggestellte Bergbauhistorischen Atlas für die Stadt Essen von Karlheinz Rabas und Karl Albert Rubach wurde in das neue Historische Portal Essen aufgenommen (www.historischesportal.essen.de).

Mein Dank gilt den genannten Institutionen für ihre Mitwirkung an diesem Beitrag. 

Dr. Detlef Riedel

 

Wir trauern um Karl Hebeker

K. Hebeker

Am 12. Mai 2016 verstarb Karl Hebeker, unser langjähriger Schatzmeister, im Alter von 80 Jahren.

Als Experte für Montangeschichte kämpfte er für den Erhalt bergbauhistorischer Stätten. Der Diplom- Ingenieur führte das Amt seit 2003 bis vor wenigen Wochen aus. Karl Hebeker war eine der prägenden Persönlichkeiten unseres Vereins und über die Schatzmeistertätigkeit hinaus als Vorstandsmitglied und Vereinskamerad ein wichtiger Ansprechpartner. Aufgrund seines Studiums des Hüttenwesens an der RWTH Aachen und seines Interesses an der Geschichte war er ein Experte der hiesigen Montanhistorie.

Karl Hebeker ist in Wetter aufgewachsen. Er engagierte sich im dortigen Stadtmarketing und besonders in dem 1999 gegründeten Arbeitskreis Wetter / Herdecke. Besonders lag es ihm am Herzen, die Montangeschichte vielen Menschen zugänglich zu machen. Er arbeitete die beliebten Bergbauwege in Wetter – Schlebuscher Weg, Erbstollenweg und Neuwülfingsburgweg – aus.

Seit vielen Jahren lebte Karl Hebeker mit seiner Familie in Witten. Sein Arbeitsleben verbrachte er in leitender Position der dortigen Edelstahlwerke. Aus dieser Verbundenheit resultierte das besondere Engagement für den Erhalt vieler bergbauhistorischer Stätten im Muttental.

Wir werden Ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Klaus Lohmann ( Vorsitzender )