AK Bochum

Arbeitskreis Bochum

Knappen machen Weg wieder flott

Frühere Kumpel bringen bergbauhistorische Tour rund um die Ruhr-Universität auf Vordermann. Davon profitieren auch die Geologie-Studenten.

Bergbaurundweg
Die Knappen sanieren den Bergbau-Wanderweg, hier an der Zeche Klosterbusch. Von links: Hans-Jürgen Lewer und Dr. Manfred Brix. Foto: Klaus Pollkläsener

Stiepel/Querenburg: Er ist etwas in Vergessenheit geraten: der Bergbau- Rundweg „Ruhr-Uni“, den der 2011 verstorbene Ernst Beier, Altrektor der Technischen Fachhochschule Georg Agricola, in den 90er Jahren konzipiert hat. Und an vielen Stellen ist auch schon der Lack ab. Höchste Zeit also für die Bochumer Knappen, den Weg wieder flott zu kriegen. Damit will der Arbeitskreis Bochum des Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. jetzt beginnen. Der Wanderweg rund um die Uni ist ca. 15 Kilometer lang und bietet in landschaftlich reizvoller Umgebung allerhand Informationen über den Bergbau, der früher dort betrieben wurde, wo heute fleißig studiert wird. Er erstreckt sich von der Schattbachstraße bis runter zum Kemnader See (Gibraltar) und vom westlichen Uni-Gelände (GC-Gebäude) bis hinüber zur Zeche Klosterbusch im Lottental. An 20 Stationen stehen Tafeln, die über die Bergbauhistorie informieren.

Rund die Hälfte von ihnen ist jedoch in einem desolaten Zustand, in erster Linie verursacht durch Vandalismus. Für die Knappen um Hans-Jürgen Lewer leider trauriger Alltag: „Dieses Problem begegnet uns im gesamten Stadtgebiet.“ Bei einigen Tafeln werde es reichen, sie zu reinigen, sagt er. Andere seien aber ganz zerstört und müssten ersetzt werden. Die Kosten für die Instandsetzung des gesamten Bergbau-Wanderweges beziffert Lewer auf bis zu 6000 Euro. Da sind Spenden natürlich willkommen. Hilfe bei der ehrenamtlichen Arbeit ebenfalls.

Am günstigen kommen die Knappen noch bei der Erneuerung der Wanderzeichen weg. „Das kostet zwei Eimer Farbe – Weiß und Schwarz – und vor allem Zeit“, weiß Hans-Jürgen Lewer. Weiß auch Dr. Manfred Brix, Geologe an der Ruhr-Universität. Als Wanderwart kümmert er sich um das Teilstück der Wanderroute im heimischen Geo-Park zwischen Muttental (Witten) und Kosterbrücke. Diese kreuzt auch den Bergbau- Rundweg „Ruhr-Uni“, von dem Brix in höchsten Tönen schwärmt: „Es gibt hier unheimlich viele Reste des Bergbaus zu entdecken; alte Fundamente, Mauern – toll.“ Teile des Bergbau-Wanderweges nutzt Manfred Brix immer wieder für die Ausbildung der Geologen.

„Hier kann man gut die verschiedenen Gesteine erklären“, sagt er, „aus welchem Material sie sind, wie sie lagern, wie alt sie sind.“ So ist auch ihm daran gelegen, den wertvollen Rundweg zu erhalten und ihn über eine Vernetzung mit den Geo-Routen noch bekannter zu machen. „Hier kann man wunderbar Geologie und Bergbaugeschichteverbinden“, findet Manfred Brix.

Die Geo-Route und der Bergbau-Rundweg „Ruhr-Uni“ sind unterschiedlich gekennzeichnet:
Zwei schwarze waagerechte Striche auf weißem Grund weisen den Weg für Geologie-Interessierte, Schlägel und Eisen (in Weiß) auf schwarzem Grund führen zu bergbauhistorischen Orten. Etwa zur Zeche Klosterbusch im Lottental und dem alten Maschinenhaus der Zeche Gibraltar am heutigen Kemnader See (Oveney). Darüber gelangt man an die Standorte von insgesamt 18 Kleinzechen, über die nach dem Krieg oberflächennahe Kohle abgebaut wurde – von Knappe Hans-Jürgen Lewer „Primitiv-Bergbau“ genannt. Deutschlandweit gibt es 15 Geo-Parks. „Der hiesige ist der einzige in einem Ballungszentrum“, erklärt Dr. Manfred Brix. Die Wanderroute des Geo-Parks reicht von Schwerte bis Mülheim und ist 120 Kilometer lang.

Artikel aus der WAZ von Gernot Noelle

Knappen beklagen Vandalismus

Schilder, die über die Bergbauhistorie informieren, werden ständig beschmiert, angezündet und sogar beschossen. Bergmänner erneuern die Tafeln nun.

Schild Urbanus
Stolz präsentieren die Knappen ihre neue Info-Tafel am 1964 stillgelegten Schacht 7 der früheren Kleinzeche Urbanus I in Kaltehardt. Foto: Olaf Ziegler

Langendreer. Er sieht wieder schick aus, der Platz in Kaltehardt an der Stadtgrenze zu Witten, wo früher in Schacht 7 der Kleinzeche Urbanus I Kohle gefördert wurde. Die Sträucher sind geschnitten, die Ränder um das Betonplateau herum gesäubert und mit Rindenmulch versehen. Eine neue Tafel informiert über die bergbauhistorische Bedeutung dieses Fleckchens Erde. Den Knappen sei Dank. Die früheren Bergmänner nämlich, speziell der Arbeitskreis Bochum des Fördervereins Bergbauhistorische Stätten im Ruhrrevier, sorgen dafür, dass die Info-Tafeln in Schuss sind. Davon kann bei vielen aber leider keine Rede mehr sein. Vandalismus werde zu einem immer größeren Problem, sagt Hans- Jürgen Lewer, der 2. Vorsitzende des Arbeitskreises: „Die Schilder werden beschmiert, angezündet und sogar beschossen“. Letzteres traf auf das Schild am Urbanus- Schacht zu. Pflege durch St.-Barbara-Verein Es wurde abgenommen und nun durch eine neue, massive Tafel ersetzt. Die Kosten liegen bei rund 800 Euro. Geld, das über Mitgliedsbeiträge und Spenden aufgebracht wird. Ausgaben, die weh tun, zumal sie so unnötig erscheinen, weil die Schilder ohne ersichtlichen Grund zerstört werden. „Ich möchte mal so einen erwischen . . .“, führt Wilhelm Kuschmann aus Laer seinen Gedanken nicht weiter aus. Der gelernte Werkzeugmacher hat die neue Tafel angefertigt. „Da steckt viel Arbeit drin.“ Die hat auch Karl-Heinz Hoffmann geleistet. Zwei Tage hat er gebraucht, um den Platz am alten Schacht in den wie anfangs beschriebenen Zustand zu bringen. „Alles war überwuchert“, sagt er. „Die Platte war voll mit Dreck und Lümmeltüten.“ Mit „Platte“ meint Hoffmann besagtes Betonplateau, mit dem der Schacht 7 der Zeche Urbanus 1964 nach der Stilllegung geschlossen wurde. Nur elf Jahre, ab 1953, war er in Betrieb. In dieser Zeit wurden 375 000 Tonnen Kohle abgebaut.
Für Hans-Jürgen Lewer hat dieser Schacht eine ganz besondere Bedeutung:
„Mein Vater hat den Schacht abgeteuft, also geschaffen, und ihn später beaufsichtigt.“
Deshalb liegt es ihm auch so am Herzen, die Bürger über diesen Ort der Zeitgeschichte zu informieren.

Nicht nur hier, sondern auch an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet. Dort müssen nun nach und nach weitere Infotafeln erneuert werden. Als nächstes die an der Pinge in Laerholz. Als Pinge wird eine Vertiefung im Gelände bezeichnet, die durch Bergbautätigkeiten entstanden ist. Dann ist auch Thilo Cramm vom Arbeitskreis im Einsatz, der sich um die Gestaltung der Schilder kümmert. „Bei uns mischen viele mit“, lobt Hans-Jürgen Lewer den Einsatz seiner Mitstreiter. Auch die Mitglieder des Knappenvereins St. Barbara Langendreer-Werne sind beteiligt. „Wir pflegen und säubern die Schilder in unserem Bereich“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Rostek. Zumindest dort, wo es noch geht.

Artikel aus der WAZ von Gernot Noelle