DO-Hombruch

DORTMUND-HOMBRUCH

Hombruch ist heute der größte Dortmunder Stadtbezirk. Vor über zweihundert Jahren gab es hier einen Kranz von Bauerndörfern rund um den staatlichen Domänenwald des Hohen Bruchs.

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Der heutige Stadtbezirk Hombruch (rot umrandet) mit dem Hohen Bruch (grün umrandet), 1805.

Primitiven Bergbau gab es seit Jahrhunderten. Mit Aufkommen der Dampfmaschine konnte er sich seit den 1840er Jahren großzügig entwickeln. Zur Kohle und hier entstehenden Eisenbahn zog es dann Hütten und Maschinen-Fabriken. Das Hombruch wurde besiedelt und ist heute Kern des Stadtbezirks.

Die ersten beiden Bildreihen befassen sich mit Friedrich Harkort – dem Initiatoren der Hombrucher und Dortmunder Eisenindustrie – und mit dem Baroper Walzwerk. Weitere fünf bereits fertig gestellte Reihen berichten über die Tiefbauzechen: Louise Tiefbau, Glückauf Tiefbau, Kaiser Friedrich, Wiendahlsbank und Glückaufsegen. Die Bildreihe über die Zeche Gottessegen wird in Kürze folgen.

Friedrich Harkort

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Wahlspruch:
Das Leben gilt nichts ohne die Treue!
Abb. 1: Gelsenkirchener Bergwerks AG/GBAG

Harkort ist in Dortmund kein Unbekannter. An ihn erinnern im Stadtbezirk Hombruch die Harkortstraße (an ihr ein Denkmal, eine Apotheke, eine Gaststätte und der Seniorenwohnsitz Harkortbogen), an der Behringstraße die Harkortschule sowie das Gewerbegebiet Harkortshof und die Harkort-Gilde. Namhafte Historiker haben sich eingehend mit Harkorts frühindustriellen Pionierleistungen, seinen Appellen zum Ausbau von Verkehrswegen und politischen Schriften auseinander gesetzt. Seine Bedeutung für die Initiierung des ersten Dortmunder hüttenindustriellen Kerns in Hombruch wurde bisher nicht gewürdigt.

Die Familie Harkort war mit Frischen (Reinigen) von Roheisen auf Hämmern im Ennepetal, Landwirtschaft und durch Handel groß geworden. Friedrich Harkort wurde am 22.2.1793 im Haus Harkorten in Hagen-Haspe als sechstes Kind geboren. Nach Volks- und Gewerbeschule in Hagen sowie kaufmännischer Lehre in der Textilhandelsfirma Wuppermann & Mohl in Wuppertal-Barmen nahm er 1813-1815 an den Freiheitskriegen teil. 1818 heiratete er die einzige Tochter seines Lehrherrn Auguste Louise Mohl. Die Familie vergrößerte sich bis 1832 um sechs Kinder. Das väterliche Gut übernahm der Erstgeborene, so dass sich Friedrich ein eigenes Tätigkeitsfeld suchen musste. Nach zwei industriellen Anläufen – er gründete eine Gerberei am Haus Harkorten und leitete einen Kupferhammer am Deilbach bei Kupferdreh – übertrug er beides alsbald Verwandten und wandte sich dem Maschinenbau zu.

Im Juni 1819 unternahm Harkort eine „Studienreise“ zum damaligen Mekka des industriellen Fortschritts England, kaufte zwei vollständige Dampfmaschinen sowie einige moderne Werkzeugmaschinen zur Bearbeitung von Gusseisen und warb dort Fachleute für den Dampfmaschinenbau ab. Im selben Jahr übernahm er zusammen mit seinem Geldgeber Heinrich Daniel Kamp vom preußischen Staat günstig die von der Bergbehörde in der Burg Wetter aufgegebenen Gebäude. Beide gründeten die „Mechanische Werkstätte Harkort & Co.“ u. a. zum Bau von Dampfmaschinen und Pumpen für den Bergbau. Hierzu benötigten sie gefrischtes (gereinigtes) Roheisen.

Mit steigender Roheisenerzeugung in Hochöfen reichte in Deutschland die Kapazität der zur Umwandlung des Roheisens in schmiedbares Eisen vorhandenen Frischfeuer, die unerwünschte Bestandteile aus dem Roheisen entfernten, nicht mehr aus. Auch die benötigten Holzkohlen wurden rarer und teurer. Während die Umstellung der Hochöfen auf Steinkohle relativ problemlos verlief, war das beim nachfolgenden Frischprozess mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, vor allem weil der in der Steinkohle stets enthaltene Schwefel auf dem Frischherd vom Eisen aufgenommen wurde, das dadurch rotbrüchig wurde.

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Schnittzeichnung Puddelofen.
Abb. 2: Konversations-Lexikon Brockhaus 1908

Der Engländer Henry Cort lieferte 1784 mit einem neuartigen Flammofen, dem Puddelofen, die Lösung. Mit dem Puddelverfahren wurde Stahl besserer Güte erzeugt, als mit dem bisherigen Frischen. 1824 führte Christian Remy das Verfahren auf der Rasselsteiner Eisenhütte in Neuwied in Deutschland zuerst ein, 1826 folgte Hoesch in Lendersdorf bei Düren. Harkort erkannte sofort die Vorteile und rief noch 1824 unter anderem in der Zeitschrift „Hermann“ zur Bildung einer Entwicklungsgesellschaft für Puddelöfen auf, was jedoch ohne Echo blieb. Zur Vervollständigung seiner Kenntnisse im Dampfkesselbau reiste Harkort in Begleitung seines Freundes und Kollegen Caspar Wilhelm Moll 1826 erneut nach England. Das Ergebnis der Exkursion war die Errichtung eines kleinen Hochofens und eines „Puddlingofens“ auf der Burg Wetter, die 1827 in Produktion gingen. Diesen ersten Puddelofen in Westfalen bediente ein angeworbener englischer Puddelmeister.

Im Puddelofen sind Brennmaterial und Schmelzgut voneinander getrennt. Auf dem Feuerrost „F“ wird Steinkohle (oder Koks) verbrannt (Abb. 2). Die Flammen werden mit Ofenzug über das im Herd „H“ eingebrachte feste Roheisen (Masseln) geleitet und die Rauchgase über die Esse „S“ geregelt abgeführt. Die sich über dem geschmolzenen Roheisen bildende Schlackendecke wird vom Schmelzer (Puddler) mit einer eisernen Rührstange aufgebrochen und das Eisenbad so gerührt, dass der Sauerstoff des von den Flammen mitgerissenen Windes den Frischvorgang fortsetzen kann. So wird der Kohlenstoffgehalt erniedrigt, die unerwünschten Eisenbegleiter, wie Silizium, Mangan und Phosphor werden verbrannt. Das Rühren des Schmelzgutes, das dem Verfahren den Namen gegeben hat (to puddle = rühren), wird mit zunehmender Entkohlung immer kraftaufwändiger, da der Schmelzpunkt der Eisenmasse mit abnehmendem Kohlenstoffgehalt steigt. Es bilden sich einzelne Eisenklumpen, die von den Puddlern mit sogenannten Eisenkrücken zusammengeführt und als Luppen aus dem Ofen herausgezogen werden. Nachdem die anhaftenden und eingeschlossenen Schlacken unter einem Aufschlaghammer oder einer Luppenquetsche entfernt worden sind, können die warmen Luppen im Walzwerk sofort weiterverformt werden.

Das körperlich sehr beanspruchende Puddelverfahren erbrachte je Arbeitsgang nur kleine Mengen. Für die Güte der Puddelprodukte sprach jedoch ihre Verwendung beim Bau britischer Kriegsschiffe und des Eiffelturms in Paris. Über hundert Jahre wurde mit diesem Verfahren gearbeitet. Durch Verbesserungen konnte ab etwa 1850 Puddelstahl noch größerer Güte erzeugt werden. Der wachsende Stahlbedarf wurde seit 1856 mit dem Bessemer- und 1879 mit dem Thomasverfahren besser abgedeckt.

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Das Hombruch. Ausschnitt aus dem Urkataster von Kirchhörde von 1827, teilweise nachgetragen bis nach 1870.
Abb. 3: Stadtarchiv Dortmund (STADO), ergänzt von Tilo Cramm

Harkort gab seine Kenntnisse und Erfahrungen zum Puddelofen und zu besseren englischen Walzmethoden ohne Rücksicht auf seine Finanzen zum Beispiel an die neu eingerichteten Kesselschmieden von Moll und Berninghaus weiter. Seine Selbstlosigkeit war gepaart mit seinem ständigen Bestreben, Optimierungen nicht nur in seiner Mechanischen Werkstätte durchzusetzen, sondern er machte auch Vorschläge zur dringend notwendigen Verbesserung der Verkehrswege zum Transport vor allem der Industriegüter. Hier sind seine meist vergeblichen Aufrufe zum Eisenbahn- und Straßenbau zu nennen. Er beließ es nicht bei Appellen, sondern führte eigene, kostenträchtige Versuche, z. B. 1826 mit einer Palmerschen Hängebahn in Wetter und Elberfeld durch und engagierte sich beim Bau von Pferde-Schienenbahnen (1828 Deilbachtalbahn, 1831 Schlebuscher-Harkorter Kohlenbahn). So war Friedrich Harkort ein bedeutender Visionär und Anreger. Ihm fehlten jedoch tiefere technische Kenntnisse, so dass er von seinen angeworbenen Engländern abhängig war. Vor allem aber mangelte es ihm an Gewinnstreben. So blieb der wirtschaftliche Niedergang der Mechanischen Werkstätte in der Freiheit Wetter nicht aus. Die Folgen waren hohe Schulden bei Kamp, die ihn bis 1864 belasteten, 1832/1834 der Rückzug aus Wetter und der Neubeginn im Hombruch bei Dortmund (Abb. 3).

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Lage des Harkortschen Grundstücks im Hombruch und der Ölmühle.
Abb. 4: Stadtarchiv Dortmund (STADO), Urkataster Kirchhörde 1827, Flur II, Bestand Nr. 162/006, lfde Nr. 1 von 1831. Umzeichnung von Tilo Cramm mit dem „Lehmhaus“ von 1837.

Bereits am 25.3./12.11.1827 hatte Harkort den mittleren Teil des staatlichen Domänenwaldes Hombruch privat erworben, wohl in der Hoffnung, hierhin entweder die Mechanische Werkstätte zu verlegen oder sich hier selbst industriell anzusiedeln. Aus Absatzgründen stand die erwartete Eisenbahnlinie im Tal des Rüpingsbachs im Mittelpunkt seiner Planungen. Von insgesamt versteigerten 1.294.077 m² erwarb Harkort 411.651 m² (32 %) für 4.655 Reichsthaler. Ihm gehörte nun das unbewohnte Hombruch zwischen dem Waldweg von Renninghausen zum Lennhof (heutige Harkortstraße), der Löttringhauser Straße (ohne Grundstück des Försters Kuhn), dem heute verschwundenen, auf dem Grundstück Kuhn entspringenden Darbach und dem Rüpingsbach.

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Lage der Harkortschen Eisengießerei.
Abb. 5: Ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA), Riss von 1854, ergänzt von Tilo Cramm

Die dem Harkortschen Grund nahe gelegene, aber nach Menglinghausen gehörende Ölmühle waren wie auch die Hombrucher Mühle 1815 vom Besitzer des Schultenhofs in Großholthausen, Hendrich Hermann Dönnhof gnt. Westermann, in Erbpacht genommen worden. Während die Hombrucher Mühle etwa bis 1932 im Besitz der Familie Westermann-Krämer blieb, verpachtete Westermann 1821 die Ölmühle an die Witwe Kipper, die sie zur Papiermühle umrüstete. Mit Hilfe seiner Brüder erwarb Harkort 1834 die Ölmühle und richtete im Mühlengebäude zuerst eine Sägemühle ein, um den ersteigerten Wald zu nutzen. Die Eichen fällte er teils eigenhändig.

Die durch ein Wasserrad angetriebene Mühle ließ Harkort dann in die „Harkorter Eisenhütte“ umbauen. Er hatte das Ziel, wie in Wetter Eisenerz zu schmelzen, die für den Koksofen benötigten Kohlen im nahen „Hüttenflöz“ zu gewinnen, Koks zu brennen, im Hochofen statt Holzkohle Koks einzusetzen, obwohl er ihn mit konventioneller Holzkohlenbeschickung beantragt hatte, das Roheisen im Puddelofen mit Kohlen oder Koks zu Puddeleisen umzuwandeln und dieses vor allem zu Blechen für Schiffskessel zu walzen. Harkort musste am 27./28.5.1834 die Eisenhütte bei der Bergbehörde wie ein Grubenfeld muten (beantragen). Am 29.8.1834 erhielt er die Genehmigung der Bezirksregierung Arnsberg, im März 1835 die Zulassung vom Oberbergamtes Dortmund und am 3.4.1835 die Genehmigung vom Preußischen Finanzministerium in Berlin.

Eine am 3.12.1834 amtlich bestätigte, im Dortmunder Westfälischen Wirtschaftsarchiv aufbewahrte Versicherungsakte belegt das Vorhandensein aller hierzu notwendigen Anlagen einschließlich des Puddelofens, jedoch ohne Hochofen, der nicht mehr gebaut wurde.

Harkort wandte sich wegen starker Konkurrenz beim herkömmlichen Dampfmaschinenbau dem Schiffsbau zu. Erste Dampfboote hatte es bereits 1788 in Schottland und 1807 in New York gegeben, aber erst 1824 fuhr das erste Dampfschiff regelmäßig auf dem Niederrhein. Die erste Bestellung kam aus Minden. Harkort ließ nun in Duisburg nacheinander vier Holzschiffe auf Kiel legen. Die in Hombruch erzeugten Maschinenteile brachten Pferdewagen zur Freiheit Wetter, wo sie in einer Werkstätte neben seinem ehemaligen Wohnhaus Burgstraße 26 zu Dampfmaschinen montiert wurden. Mit Ruhrkähnen gelangten sie dann zur Werft, wo Harkort ihren Einbau in die Schiffe zeitweise persönlich überwachte.

Am 24.1.1836 startete Harkort mitten im Winter mit dem 38 m langen und mit einer 45-PS-Dampfmaschine ausgerüsteten Raddampfer „Friedrich-Wilhelm III.“ nach Minden. Die erstmals mit einem Dampfboot befahrene Route über Rhein, Ijssel, Ijssel- und Wattenmeer sowie die Weser aufwärts bis Minden erregte großes Aufsehen. Am 1.3.1836 war die hindernisreiche Fahrt nach fünf Wochen gelungen. Als zweites Schiff überführte Harkort im Oktober/November 1837 als erstes rheinisches Dampfboot die „Rhein“ von Köln nach London, was besonders hohe Anerkennung fand.

Wegen nicht eingehaltener Zahlungsverpflichtungen und vor allem wegen schlechter Verträge, in denen allein Harkort das Risiko trug, folgte jedoch am 14.5.1838 sein Bankrott mit Verlust auch der letzten beiden auf Kiel gelegten Schiffe „Verein“ und „Kronprinz“.

Trotz seines kaufmännischen Mißerfolgs ist festzuhalten, dass Harkort 1834 bis 1837 aus gekauftem Roheisen mit nur einem Puddelofen im heutigen Dortmund als erster Puddeleisen erzeugt hat. Piepenstocks Hermannshütte folgte 1843, Kamps Paulinenhütte 1854/56, Ruëtz` Rothe Erde 1861/62 und Hammachers Etablissement im Hombruch 1862. Harkort gab die Initialzündung für den industriellen Aufschwung in dem Ackerstädtchen Dortmund und das Entstehen des heutigen Dortmunder Stadtbezirks Hombruch. Hier traten von Romberg mit der Tiefbauzeche Glückauf Tiefbau und die Brüder Hammacher mit ihrem „Etablissement“, dem späteren Baroper Walzwerk, sowie Heuner mit der Baroper Maschinenfabrik in seine Spuren.

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Der Friedrich Harkort 1847 verbliebene Besitz (rot, dunkler).
Abb. 6: Stadtarchiv Dortmund (STADO), Urkat.1827, Best. Nr.162/006, lfd. Nr.1, ergänzt von Tilo Cramm

Friedrich Harkort hatte schon vor 1847 einen breiten Streifen Land im Tal des Rüpingsbachs für den Bau der 1849 eröffneten Bergisch-Märkischen Eisenbahn abgeben müssen. Von der Gründung der Eisenbahngesellschaft 1843 hatte er ihrem Verwaltungsrat bis 1847 angehört.

Harkorts finanzielle Lage wurde so prekär, dass er 1847 die Versteigerung des größten Teils seines Hombrucher Grundbesitzes erleben musste. Gisbert von Romberg nutzte Harkorts schlimme Lage aus, ersteigerte günstig und verkaufte die meisten Parzellen später siedlungswilligen Bürgern um ein Vielfaches weiter. Für seine spätere Schachtanlage Giesbert hielt er an der Bahnlinie Flächen zurück. Harkort selbst konnte die von ihm ursprünglich angestrebte günstige Verkehrslage an der Bahn nicht mehr nutzen.

1849 beantragte Harkort jun. die Umwandlung der Hombrucher Eisenhütte in eine Zinkhütte, weil sein Vater bei Schwelm das Zinkerz Galmei ausgemacht hatte, das sich jedoch als Roteisenstein erwies. So war diese Initiative schnell beendet. Schon vor 1856 hatte sich Wilhelm Heuner vergeblich um eine Übernahme der Harkortschen Eisenhütte bemüht. 1863 wollte die gerade gegründete katholische Kirchengemeinde in einem leer stehenden Gebäude der Harkortschen Fabrik ihre Schule unterbringen und bis zum Bau einer Kirche hier auch Gottesdienst abhalten. Auch das fand nicht statt – über die alten Gebäude wird dann später nicht mehr berichtet.

Die Baroper Maschinenfabrik von Westen.
Abb. 7: Gelsenkirchener Bergwerks AG/GBAG

Als Heuner die Harkorter Eisenhütte nicht übernehmen konnte, baute er 1856 nordöstlich des Harkortschen Grundstücks an der Bahn neu. Seine Fabrik ging jedoch wegen einer Wirtschaftskrise schnell in Konkurs und wechselte dann mehrfach den Besitzer: Kuntze, Blaß, Daelen. Die Fabrik wurde schließlich 1872 in die „Baroper Maschinenbau-AG, Eisengießerei und Maschinenfabrik“ umgebildet, welche sich in den Gründerjahren seit 1871 gut entwickelte. Sie lieferte im großen Stil Dampfmaschinen, Dampfhämmer Koksausdrückmaschinen, Sortier- und Verladeeinrichtungen für Kohlen und Erz auch ins Ausland. Das Werk wurde 1928 stillgelegt und ab 1932 abgebrochen. Heute stehen hier eine Gocart-Bahn und eine Druckerei.

Wo lag nun die heute völlig verschwundene Harkorter Eisenhütte was blieb von den durch Harkort errichteten Gebäuden? Eine Übersicht aus dem Hüttenbereich zeigt die folgende Abbildung.

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Einpassung der Eisenhütte in den Stadtplan auf der Grundlage des Katasterblattes Kirchhörde Flur II. Die stark umrandeten Häuser bestehen noch.
Abb. 8: Stadtarchiv Dortmund (STADO), 162/001 Nr. 53, ergänzt von Thilo Cramm
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Hier Am Spörkel lag die verschwundene Harkorter Eisenhütte: Links von der Rüpingsbachbrücke im Vordergrund und zum Teil auf der Straße. Rechts im Wäldchen der ehemalige Hammerteich. Im Hintergrund eine Druckerei, früher Baroper Maschinenfabrik (siehe Abb. 7)
Abb. 9 Foto: Thilo Cramm).
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Das etwa 9 m breite „Lehmhaus“, das Harkortsche Wohnhaus an der heutigen Deutsch-Luxemburger Str. 55.
Abb. 10: Institut für Zeitungsforschung Dortmund und Archiv Karl-Heinz Strothmann

Auf dem von Harkort 1827 im Hombruch ersteigerten Grund stand noch kein Haus. Es ist anzunehmen, dass er in der Zeit seiner Holzfällerei im Hombruch zuerst in einem Gebäude der 1834 erworbenen Ölmühle gewohnt hat. Um 1837 errichtete er im Hombruch das „Lehmhaus“ im Pisébau (Stampfbau) an der späteren Deutsch-Luxemburger-Straße 55. Den etwa 264 m langen, von Norden herangeführten 7 m breiten Weg zum Lehmhaus hat Harkort angelegt (Abb. 4). Wann er es mit seinen noch nicht flüggen Kindern bezog, ist unklar. 1847 musste Harkort mit dem größten Teil seines Besitzes im Hombruch auch sein „Lehmhaus“ an von Romberg abgeben. Nach Wegzug der Rombergs aus Brünnighausen 1925 kaufte der Bergmann Heinrich Rohling Haus und Grundstück. Das Haus wurde am 10.3.1945 von Bomben getroffen, abgerissen und 1956 durch einen Neubau ersetzt.

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Harkortsche Häuser.
Abb. 11: Ehemaliges Landesoberbergamt NRW (LOBA), ergänzt von Tilo Cramm

Lage der 1854 vorhandenen Harkortschen Häuser. Rechts das 1847 verlorene „Lehmhaus“, links das Vorläuferhaus von Am Spörkel 38 a (oben) und das Arbeiterhaus (links unten). Die Eisenbahn ist hier nicht eingezeichnet.

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Harkorts Wohnhaus.
Abb. 12: Stadtarchiv Dortmund (STADO), Helmut Bittner

Harkorts Wohn- und Sterbehaus um 1885 mit Verwandten. Vorn Begrenzungssteine des Mühlenwegs. Das von Harkort in den 1830er Jahren errichtete Haus soll um 1905 abgebrochen worden sein.
Abb. 12: Stadtarchiv Dortmund (STADO), Helmut Bittner

Von 1848-1851 lebte Harkort fast ausschließlich in Berlin, wo er sich als Abgeordneter der Politik und auch literarischen Arbeiten widmete. Im alten Schulhaus der Freiheit Wetter, Burgstraße 17 (heute „Harkorthaus“), das seinem Sohn Friedrich gehörte, richtete er sich ein Studierzimmer ein. Nach Ende eines gewonnenen Rechtsstreits um seinen Restbesitz von 13 Morgen im Hombruch zog er 1853 dahin um. Das schon früher von ihm bewohnte Arbeiterhaus mit etwa 100 m² Wohnfläche nahm ihn auf. Es war eineinhalbstöckig, kellerlos und hatte zugige Fenster mit gusseisernen Rahmen. Hier kümmerte er sich um eine kleine Landwirtschaft. Seine früh verwitwete Tochter Auguste Funk führte den Haushalt.

Er pflegte, als Greis vor seiner Haustür unter Linden sitzend, zu erzählen: „Hier wo wir sitzen, habe ich wie ein Amerikanischer Hinterwäldler selbst die Eichen gerodet, um Platz für mein kleines Haus zu schaffen, und dann diese Linden mit eigener Hand gepflanzt“ (Schwiegersohn Louis Berger).

1855 besuchte König Friedrich Wilhelm III. Westfalen. In Hombruch bemühte sich Harkort persönlich, sein kleines, zwischen Obstbäumen verstecktes Haus mit Fahnen und Gewinden bestmöglich auszuschmücken. Der König kam aber nicht. In Hagen hatte er dann beklagt, die Markaner (oder Märker = Bewohner der preußischen Grafschaft Mark) wählten immer seine Feinde (Vincke und Harkort – T.C.).

1862 sollen Harkorts jüngste Kinder Luise Emilie und Carl den 1. Spatenstich zum Bau des neuen Bahnhofs Barop mit Errichtung des Stationsgebäudes einschließlich Bahnhofswirtschaft getan haben.

Louis Berger gelang es am 12.7.1870 von Gisbert von Romberg, vertreten durch seinen Rentmeister Hellweg, zwei Parzellen des früheren Harkortschen Besitzes teuer zurückzukaufen. Sie lagen direkt südlich der Harkort verbliebenen Parzellen zwischen Bahn und Rüpingsbach und endeten vor dem Grundstück Westermann mit der Hombrucher Mühle.

Auf diesen Grundstücken im heutigen Gewerbegebiet „Harkortshof“ betrieb Harkort eine kleine Dampfmühle, eine Brotbäckerei und eine Fabrik für Chamottesteine. Hier konnte Friedrich Harkort im letzten Lebensjahrzehnt seine finanziellen Verhältnisse aufbessern. Erträge hatte er auch vom Verkauf von Bergwerksanteilen und aus der Veräußerung von zwei Parzellen, die ihm östlich der Bergisch-Märkischen Eisenbahn verblieben waren an die Bahngesellschaft (siehe Abb. 6 und 8).

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Stelle des Harkortschen Wohn- und Sterbehauses am ehemaligen Mühlenweg 2011.
Abb. 13: Tilo Cramm

Nachdem Harkort am 24.6.1873 nach 25 Jahren das Berliner Parlament verließ, kaufte er im Siebengebirge ein kleines Haus zur Erholung vom Hombrucher Kohlenstaub. Im einfachen Hombrucher Arbeiterhaus – in dem er jedoch unbedingt wohnen bleiben wollte – empfing er 1873 Friedrich Alfred Krupp und am 22.2.1873 zu seinem 80. Geburtstag eine 80-köpfige Lehrerdeputation. Er hatte sich sozialpolitisch auch für Lehrer und Schulen eingesetzt.

Nach dem Tod Friedrich Harkorts 1880 machte Louis Berger aus der Chamottefabrik das „Thonwerk Harkortshof“ mit Ringofen, aus dem sich später die Ziegelei des Großholthauser Landwirts Westermann entwickelte, die 1925 wie der Hof durch Erbfolge an die Familie Krämer überging und etwa 1960 abgebrochen wurde.

Mit Friedrich Harkort haben am Spörkel weitere Gebäude zu tun:

 

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Harkortsche Gewerbeschule.
Abb. 14: Tilo Cramm

Die Harkortsche Gewerbeschule, heute Wohnhaus Am Spörkel 40 von Nordwesten. Das Haus könnte um 1835 erbaut worden sein; die Hausakte gibt keine Auskunft. Es steht unter Denkmalschutz.

Harkort tat seine Sorge um die in der Gründerkrise steigende Zahl ungebildeter, verwahrloster und auch durch Alkohol „brutalisierter“ Jugendlicher schriftlich kund, derer Aufsässigkeit und Kriminalität Polizei und Justiz nicht Herr werden konnten. Er regte zur Besserung der Situation nicht nur die Fortbildung der Jugend an, sondern schritt auch zur Tat. 1876/1877 bot er Jugendlichen des wachsenden Industrieorts Hombruch in einem Gebäude seiner früheren Gießerei unentgeltlichen Unterricht im Zeichnen nach Modellen, Fachzeichnen, Modellieren und andere verwandte Fächer an.

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Das Harkortsche „Gärtnerhaus“ 2008.
Abb. 15: Tilo Cramm

Das bestehen gebliebene, denkmalgeschützte sog. Harkortsche Gärtnerhaus Am Spörkel 38 b mit Pferdestall, Remise und Laube ist von Harkort wohl nach 1854 errichtet worden (Die Hausakte schweigt dazu) und heute Wohnhaus. Ob Harkort das eigentlich landwirtschaftliche Gebäude als Gewerbeschule genutzt hat, ist wegen der Raumaufteilung unwahrscheinlich.

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Die sog. Harkort-Villa.
Abb. 16: Bauordungsamt DO, Hausakte

An der Stelle eines wohl auch von Harkort um 1835 gebauten und bereits abgerissenen Gebäude (Abb. 14), wurde 1909 das „Landhaus“ Am Spörkel 38 a auf dem von den Harkortschen Erben erworbenen Grundstück errichtet. Bauherr war der Wirt Wilhelm Horsch aus Barop. Das zweieinhalbstöckige, 11 m hohe, prachtvolle Haus war unterkellert und besaß drei Badezimmer. Diese sogenannte „Harkortsche Villa“ wurde im Zweiten Weltkrieg von Bomben getroffen. Die Stadt Dortmund ließ als letzte Eigentümerin die Ruine vom 3. bis 7. November 1969 beseitigen und den Platz planieren. Die Trümmer wurden in eine Mulde zum Grotenbach hin geschoben.

1912 ging ein großer Teil des Restbesitzes der Erben Harkorts auf die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-AG und 1928 auf deren Nachfolgerin, die Vereinigte Stahlwerke AG, über. Schließlich wurde die Stadt Dortmund Eigentümerin der Grundstücke, die sie an Private verkaufte.

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Harkort-Denkmal.
Abb. 17: Tilo Cramm

Übergabe des 2011 renovierten Denkmalsockels durch Bezirksbürgermeister Hans Semmler (4. von rechts). Dritte von links: Irmgard Harkort, dahinter ihre Enkel Carolin und Stephan, alle von der Scheder Linie der Harkorts. Rechts Ulrich Steinmann (Semmlers Vertreter), der Restaurator Franz-Josef Kniola (Staatsminister a. D.) und ganz rechts Klaus Meyer, Friedrich Harkorts Ur-Ur-Ur-Enkel.

Friedrich Harkort war bis ins hohe Alter rüstig. Im Herbst 1876 erkältete er sich jedoch in seinem Haus im Siebengebirge und kränkelte zweieinhalb Jahre bei zunehmendem Kräfteverfall. Seine Tochter Auguste pflegte ihn. Am 6. März 1880, 12 Uhr, kam das Ende. Friedrich Harkort war 87 Jahre alt geworden. Am 11.3.1880 überführte man ihn aus dem kleinen, efeuumrankten Arbeiterhaus zur Erbgruft der Scheder Linie der Harkorts auf Haus Schede bei Wetter. Von Barop bis Wetter wurde die von Harkort konzipierte Bergisch-Märkische Eisenbahn benutzt. Friedrich Harkort war in seiner nach Haus Harkorten und der Freiheit Wetter dritten Heimat Hombruch so hoch angesehen, dass Vereine aus Barop, Hombruch, Eichlinghofen und Renninghausen, Schüler seiner Gewerbeschule und Vertreter der Baroper Maschinenfabrik an der Beisetzung teilnahmen. Auf Harkorts Wunsch kamen drei Hände mit Baroper Erde in den Sarg aus Holz eines von ihm selbst gepflanzten Baumes aus Hombruch. Auch das zeigt die Verbundenheit mit Hombruch, wo er nahezu vierzig Jahre gewohnt hatte.

Die Gemeinde Barop benannte Harkort zu Ehren den vom Baroper Marktplatz bis zur Grotenbachstraße (früher Mühlenstraße) führenden Weg „Harkortstraße“. Mit Hombruchs Eingemeindung nach Dortmund 1929 ging der Name auf die Bahnhofstraße über und die frühere Harkortstraße erhielt die Flurbezeichnung Am Spörkel.

Am 17.6.1896 war vor dem damaligen Amtshaus Kirchhörde an der Bahnhofstraße das erste Harkortdenkmal in Hombruch aufgestellt worden, das 1945 verloren ging. 1955 wurde ein neues, vom Dortmunder Künstler Georg Hartje entworfenes Denkmal errichtet, dessen Sockelinschrift 2011 renoviert wurde (Abb. 17).

Friedrich Harkort war nicht nur ein bedeutender Deutscher und Westfale, sondern ist in seinen damaligen Wirkungsstätten Wetter und Hombruch und auch in Dortmund bis heute ein hoch angesehener Industriepionier.

In Dortmund steht noch ein zweites Harkort-Denkmal, das an seine Idee und seinen Vorschlag zum Aufbau eines deutschen Kanalnetzes erinnert. Am Sockel steht: „Dem Pionier des Wasserstraßenbaues anlässlich des Deutschen Binnenschiffahrtstages 1967 von der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund gewidmet“.

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Bild019Harkort-Denkmal.
Abb. 18: Tilo Cramm

Das Harkort-Denkmal von 1967 vor der Verwaltung der Dortmunder Hafen AG, Speicherstraße 23. Das Denkmal wurde dem Stadtbezirk Hombruch geschenkt und im März 2013 in der Behringstraße vor der Harkortschule aufgestellt.